Findet wieder in die Balance! 5 Strategien für den Umgang mit Wutanfällen (2/3)





Dein Kind ist wütend und du bist in solchen Momenten hilflos? Mit diesen Strategien kannst du deinem Kind helfen, seine Wut selbst zu regulieren und die Ursachen ergründen, warum dein Kind wütend ist.


♡ ♡ ♡


1. Strategie

Ich nehme dich mit deinen Gefühlen wahr und bin an deiner Seite


Wenn dein Kind wütend ist, ist es grundsätzlich erstmal egal, was du genau sagst, da dein Kind nicht in der Lage ist, deine Worte geistig zu verarbeiten. Was es aber sehr wohl wahrnimmt, das ist deine Haltung: bist du verständnisvoll, begegnest du ihm auf Augenhöhe, bist du einfach da? Lege dir selbst eine Art Mantra zurecht, also eine magische Formel, die du in Momenten sagst, in denen dein Kind wütend ist. Zum Beispiel: „Ich sehe, dass du wütend bist, weil …(hier einsetzen, warum dein Kind wütend ist). Ich bin hier und warte, bis es dir besser geht!"


2. Strategie

Suche nach einem geeigneten Wutventil

Biete deinem Kind aktiv Möglichkeiten an, wie es seine innere Anspannung loswerden kann. Jedes Kind ist dabei ein anderer Sinnestyp, bei dem jeweils ein bestimmtes Sinnesgebiet in der Wahrnehmung und dem Denken bevorzugt wird:

  • auditiv - Wahrnehmung und Denken erfolgen besonders stark über das Hören

  • visuell - Wahrnehmung und Denken erfolgen besonders stark über das Sehen

  • kinästhetisch - Wahrnehmung und Denken erfolgen besonders stark über das Fühlen

  • olfaktorisch - Wahrnehmung und Denken erfolgen besonders stark über das Riechen

  • Gustatorisch / oral - Wahrnehmung und Denken erfolgen besonders stark über das Schmecken und den Mund


Es gibt auch Sinnnestypeneinteilungen, bei denen die Motorik als Sinnesgebiet einbezogen wird, wobei es dann um die Wahrnehmung und das Denken über die Bewegung geht.


Welcher Sinnestyp ist dein Kind?

Frage dich also am besten mal, welcher Sinnestyp dein Kind sein könnte? Das Ventil, welches du deinem Kind anbietest, sollte nach Möglichkeit zu seinem Sinnestyp passen, da es dann besonders sensibel darauf reagieren wird.


  • auditiv - Hier können Dinge, die über das Gehör gehen, Abhilfe schaffen: zum Beispiel ganz laut Musik hören und dazu Gröhlen oder auch in einen „Wuteimer" zu schreien.

  • visuell - Hier gibt es was auf's Auge. Alles, was über die Augen geht, kann hier ausprobiert werden, zum Beispiel einen „bösen Blick" machen und dem Elternteil zuwerfen oder ihr löst gemeinsam die Wut in Luft auf, indem ihr einen Luftballon aufpustet und diesen steigen platzen lasst (ist auch bei einem oralen Sinnestyp sinnvoll).

  • kinästhetisch - Entladet die Wut über das Fühlen. Biete deinem Kind einen Untergrund an, auf dem es mit seinen Fingernägeln kratzen kann (z.B. eine Kratzplatte). Ihr könnt auch gemeinsam eine alte Zeitung zerreißen oder malst zusammen mit deinem Kind die Wut mit passenden Farben und motivierst es auch dazu, dass es über die Führung der Pinsel und die Art des Auftragens seiner Emotion freien Lauf lässt (so ein Bild ist auch eine super Gesprächsgrundlage für später; s. letzte Strategie).

  • olfaktorisch - Baue die Anspannung über das Riechen ab, indem ihr beispielsweise vor einer Duftkerze kräftig gemeinsam ein- und ausatmet.

  • Gustatorisch / oral - Wenn die Anspannung vor allem oral entweicht, dann biete deinem Kind etwas an, in das es hineinbeißen kann (z.B. ins Kissen beißen) oder lass es eine Wutkerze auspusten.

Wenn dein Kind die innere Anspannung gut über Bewegung abbauen kann, dann suche hier nach Möglichkeiten; zum Beispiel: Draußen über die Wiese rennen, in ein Kissen boxen oder eine Kissenschlacht machen.


Dein Kind darf wütend sein und durch die Emotion hindurchgehen!

Da es ganz wichtig ist, dass dein Kind die Wut erleben darf und durch diese negative Emotion hindurch gehen kann, kannst du ihm Möglichkeiten anbieten, um die Wut rauszulassen!


Hilf deinem Kind, indem zu mitmachst und ihm aktiv Ventile anbietest!



3. Strategie

Hilfe zur Selbsthilfe: So lernt dein Kind sich selbst zu beruhigen


Übe mit deinem Kind im Alltag häufiger mal das richtige Atmen, macht gemeinsam Traumreisen und Mentalübungen. Auch toll ist es, wenn dein Kind sich mal überlegt, wer sein Held sein könnte. Wenn es einen Helden vor Augen hat und ihr gemeinsam öfter mal Handlungsmöglichkeiten durchspielt, die der Held in Situationen an den Tag legt, die ihn wütend machen, dann kann dein Kind (mit deiner Unterstützung) vielleicht beim nächsten Wutanfall einen Pauseknopf drücken und an seinen Helden denken und daran, was der Held wohl in dieser Situation machen könnte.



4. Strategie

Welches (Grund-)Bedürfnis deines Kindes ist gerade nicht erfüllt?


Frustrationen führen oftmals zu Wutanfällen. Wenn ein wichtiges (Grund-) Bedürfnis deines Kindes nicht erfüllt ist, wie zum Beispiel Nahrung, Ruhe, Bewegung, Schlaf, dann führt dieser Umstand dazu, dass Frustrationen schneller entstehen und nahezu jeder noch so kleine Umstand, der nicht nach der Vorstellung deines Kindes läuft, zu einer Frustration führen kann, weil es ihm keine körperlich-geistigen Widerstandskräfte entgegensetzen kann. Daher ist es unheimlich wichtig, dass du selbst die Bedürfnisse deines Kindes im Blick hast und gedanklich einmal durchgehst und prüfst, was du für dein Kind - ganz unabhängig von der entstandenen Frustration - tun kannst, um ihm zu helfen. Manchmal hilft dabei auch ein Ausschlussverfahren.


Orientiere dich an den Bedürfnissen deines Kindes!

Mein Sohn war heute Morgen bei jeder Grenze, die ich gezogen habe, unheimlich frustriert und direkt wütend. Er durfte beispielsweise nicht zu nah mit dem Bobbycar an die Straße fahren, weil es (natürlich!) zu gefährlich ist mit zwei Jahren. Ich habe mich zu ihm runtergebeugt, ihn in den Arm genommen, mein Verständnis geäußert und eine Alternative angeboten. Über diesen Weg hat es auch geklappt, ihn in eine andere Richtung zu lenken. ABER: Die nächste Frustration folgte prompt, als es darum ging, sich zum Windelnwechseln die Schuhe auszuziehen, damit ich die Hose ausziehen konnte. Plötzlich kamen auch sehr widersprüchliche Reaktionen hinzu: Geh weg, Mama komm! An der Fülle der Frustrationen und daran, dass er auf einmal nicht mehr bereit war, sich auf meine Lösungsansätze einzulassen, habe ich gemerkt, dass unter den einzelnen Frustrationssituationen noch etwas anderes liegen muss, was verantwortlich für seine fehlende Widerstandskraft von diesen Momenten gewesen ist. Ich bin dann die Bedürfnispyramide von Abraham Maslow gedanklich einmal durchgegangen und habe ganz unten mit den Grundbedürfnissen angefangen. Dabei bin ich recht schnell auf das Thema Schlaf gestoßen, habe mich mit meinem Sohn ins Bett gelegt, ihm ein Fläschchen gegeben und ihm die Möglichkeit gegeben, ein zweites kleines Schläfchen am Morgen zu machen. Innerhalb weniger Sekunden ist er eingeschlafen. Während ich diesen Artikel schreibe, liegt er nun mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen in seinem Bettchen und kann die Energie auftanken, die er braucht, um all die Herausforderungen, die er am Tag so meistern muss, zu zu bewältigen. Diese Situation zeigt, wie wichtig es ist, auf die Bedürfnisse vom Kind, aber auch die von uns als Erzieher, zu achten.


Prüfe, welches Bedürfnis ist zu kurz gekommen?

Maslow verdeutlicht, dass es fünf Bedürfnisebenen gibt, die hierarchisch geordnet sind. Je weiter unten die Bedürfnisse stehen, desto überlebenswichtiger sind Sie für das Individuum. Die höher liegenden Bedürfnisse kommen demnach erst dann zum Tragen, wenn die darunterliegenden Bedürfnisse erfüllt sind. Demnach ist es auch sinnvoll, sich von unten nach oben durchzuarbeiten, wenn es um die Erforschung geht, welche Bedürfnisse gestillt werden sollten.



Streben nach Unabhängigkeit,

persönlicher Weiterentwicklung,

Kreativität

Selbstvertrauen,

Respekt und Anerkennung,

Kompetenz, Status

Gruppenzugehörigkeit,

Freundschaft,

Liebe


Schutz vor Krankheiten und Gefahren,

stabile Lebensumstände,

wirtschaftliche Absicherung,

Sicherheit

Nahrung, Ruhe, Bewegung, Schlaf



Lese dein Kind!

Insbesondere bei kleinen Kindern, die sich selbst über die Sprache noch keinen Ausdruck verleihen können, ist es besonders wichtig, dass wir sie versuchen zu "lesen" und die Bedürfnisse einmal durchgehen und Angebote machen, um sie zu befriedigen. Auch älteren Kindern ist es oftmals noch gar nicht bewusst, welches Bedürfnis zu kurz gekommen ist.


Geht gemeinsam auf die Suche!

Dadurch, dass du gemeinsam mit deinem Kind auf die Suche nach dem Bedürfnis gehst, hilfst du ihm, ein Bewusstsein für seine Bedürfnisse zu erlangen und gibst ihm gleichzeitig Strategien mit an die Hand, um beim nächsten Mal das Bedürfnis zeitnaher zu stillen und auf sich selbst zu achten. Auf diese Weise stärkst du dein Kind, weil es lernt, dass es für sein Unwohlsein eine Veränderungsmöglichkeit gibt und man sich selbst aus unangenehmen Situationen heraushelfen kann.



5. Strategie

Tretet in den Dialog: Warum bist du so wütend gewesen?


Geht gemeinsam ins Gespräch über die Wut. Frage dein Kind, ob es sagen kann, warum es wütend gewesen ist. Der Dialog hilft deinem Kind dabei, das Geschehene zu verarbeiten und zeigt ihm, dass du Anteil an ihm nimmst. Außerdem bietet der Dialog die Möglichkeit, dass die Ursachen der Wutentstehung behoben werden können. Dabei ist es wie oben bereits erwähnt auch sehr wichtig über Bedürfnisse zu sprechen und zu überlegen, wie man die Bedürfnisse stillen kann, damit sich dein Kind nicht hilflos und schlecht fühlt.


Hilfreich ist hier auch die Frage: Wer war an der Entstehung der Situation beteiligt?

Bringe die beteiligten Personen nochmal zusammen, damit jeder seine Emotionen beschreiben und erklären kann, warum man wütend gewesen ist. Auf diese Weise verleiht man sich selbst eine Stimme, kann das Empathieempfinden fördern und ein Verständnis gegenüber der jeweils anderen Rolle aufbauen.

Durch das gegenseitige Verstehen und Wahrnehmen des anderen in seiner Not oder Hilflosigkeit, kann ebenfalls eine Entstehung der Wut verhindert werden, weil die Ursachen behoben werden können, indem der andere beim nächsten Mal die Grenzen "besser" achtet.


Lege dir ein Beobachtungstagebuch an!

Wenn dein Kind sich noch keine Stimme verleihen kann, weil es noch nicht sprechen kann, dann kannst du selbst ein Beobachtungstagebuch führen und einfach mal reinschreiben, was kurz vor dem Wutanfall passiert ist. Auf diese Weise kannst du die Entstehung der Wut in der Ursache bekämpfen, denn grundsätzlich ist ein Kind immer dann wütend, wenn es sich hilflos und ohnmächtig fühlt. Auch bei älteren Kindern ist ein solches Beobachtungstagebuch sinnvoll, denn es kann auch sein, dass dein Kind an manchen Tagen öfter als an anderen Tagen wütend ist.


Tut eure Alltagsgestaltung deinem Kind gut?

Dann könnte die Tagesgestaltung ein Grundstein sein, weshalb die Frustrationen auftreten. Wenn ein Kind beispielsweise sehr häufig an einem Mittwoch aggressiv ist, dann frag dich doch mal, wie der Tagesablauf mittwochs ist: Gibt es genügend Zeiten, in denen die Grundbedürfnisse erfüllt werden können? Also genügend Möglichkeiten, um mal innerlich zur Ruhe zu kommen, sich mal auszuruhen oder genügend Zeit zum Essen zu haben? Wenn du merkst, dass eine straffe Tagesgestaltung keinen Raum für die Bedürfnisbefriedigung gibt, dann solltest du die Tagesgestaltung verändern! Rücke dabei immer dein Kind in den Fokus und frage dich, was es braucht.


Im nächsten Artikel gebe ich dir Tipps, damit du dich selbst innerlich stark machen kannst, um mit dem nächsten Wutausbruch deines Kindes innerlich gelassen umgehen zu können.




Mein Literaturtipp:


Maslow: Motivation und Persönlichkeit, 1981

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Herzlich Willkommen & danke fürs Vorbeischauen!

Ich bin Mama, Ehefrau, (Sozial-)Pädagogin und Lehrerin. Hier auf meinem Blog möchte ich dich mit meiner Leidenschaft für eine resilienzorientierte Erziehung anstecken. Schenke deinem Kind Liebe und lasse eure  Beziehung wunderschön und kraftvoll werden.

♡Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich. (Hermann Hesse)

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